Stundensatz-Rechner für Selbstständige 2026
Stand April 2026Für ein Nettoziel von 40.000 €/Jahr, 10.000 € Betriebskosten und 1.300 produktive Stunden ergibt sich ein Mindest-Stundensatz von rund 75 € netto. Formel: (40.000 × 1,8 Steuer- und Sozialfaktor + 10.000) ÷ 1.300 = 82.000 ÷ 1.300 ≈ 63 €. Plus 15 % Gewinnzuschlag ergibt 73 € – aufgerundet 75 €. Marktüblich bei Fachkräften sind 80–120 €.
Stundensatz (netto)
78,06 €
Naechster Schritt
Wie hoch ist Ihr aktueller Stundensatz?
So funktioniert der Stundensatz-Rechner
Der Rechner nutzt die klassische Vollkostenmethode: Alle jährlichen Bedarfs- und Kostenpositionen werden addiert und durch die realistisch verfügbaren produktiven Stunden geteilt. Das Ergebnis ist Ihr Mindest-Stundensatz – der Punkt, unter dem Ihre Selbstständigkeit wirtschaftlich nicht trägt.
Anders als vereinfachte „Stundenlohn mal zwei“-Daumenregeln berücksichtigt der Rechner Ihre tatsächliche Steuerlast, den doppelten Sozialversicherungsanteil für Selbstständige (Arbeitgeberanteil fällt weg) und realistische Auslastungsgrade. Das Ergebnis liegt meist deutlich höher als intuitiv erwartet – genau deshalb scheitern viele Selbstständige an Unterpreisung.
Formel für den Stundensatz
Die Grundformel der Vollkostenkalkulation:
Stundensatz = (Nettoziel × Steuer-/Sozialfaktor + Betriebskosten + Puffer)
÷ produktive JahresstundenDer Steuer-/Sozialfaktor liegt 2026 je nach Einkommen und Familienstand zwischen 1,6 und 2,0 – als Solo-Selbstständiger mit 40–60 k € Gewinn rechnen Sie mit ca. 1,8. Das bedeutet: 40.000 € Netto erfordern rund 72.000 € Honorarumsatz.
Rechenbeispiel: 40.000 € × 1,8 + 10.000 € Betriebskosten + 7.000 € Puffer = 89.000 € ÷ 1.300 Stunden = 68 €/h Brutto-Deckungssatz. Plus 10 % Gewinnzuschlag und Rundung = 75 €/h.
Rechenbeispiel: Solo-Beraterin mit 50.000 € Nettoziel
| Position | Betrag / Jahr |
|---|---|
| Nettoziel | 50.000 € |
| + Einkommensteuer (ca. 25 %) | 22.000 € |
| + Krankenversicherung | 7.200 € |
| + Altersvorsorge | 9.000 € |
| + Betriebskosten | 12.000 € |
| + Puffer / Gewinn 10 % | 10.000 € |
| Bruttohonorarbedarf | 110.200 € |
| ÷ 1.300 produktive Stunden | = 85 €/h |
| Empfohlener Stundensatz | 90 €/h |
Tagessatz: 90 × 8 = 720 € netto. Projektpauschale 40 Stunden = 3.600 € netto. Umsatzsteuer (19 %) kommt jeweils oben drauf.
Produktive Stunden realistisch ansetzen
Der häufigste Kalkulationsfehler: Angehende Selbstständige rechnen mit 40 Wochenstunden × 48 Wochen = 1.920 Stunden. Abgerechnet wird davon aber nur ein Bruchteil. Die realistische Rechnung:
- 365 Tage − 104 Wochenenden − 11 Feiertage = 250 Arbeitstage
- − 30 Tage Urlaub = 220 Tage
- − 10 Tage Krankheit = 210 Tage
- × 8 Stunden = 1.680 Stunden Gesamtkapazität
- davon ca. 20 % Akquise, Buchhaltung, Weiterbildung = 336 Stunden
- verbleiben: 1.344 produktive (abrechenbare) Stunden
Im ersten Jahr als Selbstständiger liegt der Anteil Akquise oft bei 30–40 % – Sie müssen Kunden erst aufbauen. Rechnen Sie im Gründungsjahr konservativ mit 900 Stunden.
Typische Fehler bei der Stundensatz-Kalkulation
- Sozialversicherungsanteil vergessen. Selbstständige zahlen Krankenversicherung, Pflege und Altersvorsorge komplett selbst – Arbeitgeberanteil entfällt. Faustregel: Der Bruttobedarf liegt 20–25 % über einem vergleichbaren Angestelltengehalt.
- Weihnachts-/Urlaubsgeld ignorieren. Angestellte bekommen oft 13. Monatsgehalt plus Urlaubsgeld – Selbstständige nicht. Wer in 12 Monaten denken bleibt, unterkalkuliert ca. 8 %.
- Auslastung unrealistisch hoch ansetzen. 1.800 Stunden pro Jahr sind selten erreichbar. Bei Kundenfluktuation, Saisonalität und Flaute eher 1.100–1.400.
- Gewinnzuschlag weglassen. Break-Even ist nicht Ziel, sondern Mindestmarke. Mindestens 10–20 % Aufschlag für Investitionen, Rücklagen und unvorhergesehene Ausgaben einplanen.
- Einmal kalkulieren und nie anpassen. Ohne jährliche Indexierung verlieren Sie real Einkommen. VPI-Klausel in Rahmenverträge, Neukunden direkt mit aktuellem Satz.
Stundensatz vs. Tagessatz vs. Pauschale
Jedes Abrechnungsmodell hat Vor- und Nachteile:
- Stundensatz: Transparent, flexibel, schützt vor Scope Creep. Nachteil: Kunden fürchten „offene Rechnung“, Budgetplanung schwierig.
- Tagessatz: Standard bei Beratern, IT-Freelancern, Interim Managern. 8 × Stundensatz, manchmal 7 ×. Vorteil: Kunden rechnen in Tagen, nicht in Stunden.
- Pauschale: Höchstes Risiko, höchste Marge. Bei präziser Aufwandsschätzung + 25 % Puffer oft rentabelste Variante. Bei Fehleinschätzung Verlustgeschäft.
- Value Pricing: Preis am Kundenwert orientiert, nicht am Aufwand. Typisch für Strategieberatung, Design, Text. Erfordert Erfahrung und starke Verhandlungsposition.
Empfehlung für Einsteiger: Stundensatz-Kalkulation als Rückgrat, nach außen Tagessätze oder kleine Pauschalen. Value Pricing erst, wenn der Markt Sie kennt.
Beispielrechnungen
| Eingabe | Ergebnis |
|---|---|
| 35.000 € Netto · 8.000 € Betrieb · 1.400 h | 55 €/h |
| 40.000 € Netto · 10.000 € Betrieb · 1.300 h | 75 €/h |
| 50.000 € Netto · 12.000 € Betrieb · 1.300 h | 90 €/h |
| 60.000 € Netto · 15.000 € Betrieb · 1.200 h | 110 €/h |
| 40.000 € Netto · 10.000 € Betrieb · 1.100 h | 88 €/h |
| 40.000 € Netto · 10.000 € Betrieb · 1.500 h | 65 €/h |
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Letzte Aktualisierung: April 2026 | Quellen: IHK – Kalkulation Stundensatz für Selbstständige, § 32a EStG – Einkommensteuertarif, GULP – Freelancer-Stundensatz-Report, Bundesverband Freie Berufe – Mitgliederreports